Erster Workshop zum Buchen-Brettschichtholz in Stuttgart

[15.11.2011]  Dr. Simon Aicher von der Materialprüfungsanstalt der Universität Stuttgart eröffnete den Workshop mit der Feststellung: „Um am Markt erfolgreich zu sein, muss ein Produkt heute sexy sein." Ist Buchen- Brettschichtholz (Bu-BSH) sexy, ist es ein Produkt mit Zukunft, hat es Marktchancen? Dies sollte der erste Workshop zu Bu-BSH, initiiert von Branchenakteuren und organisiert von der Clusterinitiative Forst und Holz Baden-Württemberg klären. 

Gekommen war ein ausgesuchter Kreis von 16 Experten aus den Bereichen Forschung, Forstwirtschaft, Holzverarbeitung, Holzbau und Verwaltung. Auslöser für den Workshop waren u. a. Gespräche am Rande der Veranstaltungen zur Clusterstudie Baden-Württemberg. Diskutiert wurde dabei die Tatsache, dass der Anteil der Buche am Rundholzmarkt zwar stetig steigt, der Einsatz von Buchenholz für höherwertige stoffliche Verwendungen aber abnimmt. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Laub-Schnittholzproduktion von rund 2 Mio m³ auf rund 0,5 Mio m³ verringert. Gleichzeitig ist die Nadel-Schnittholzproduktion von 12 Mio m³ auf 16 Mio m³ gestiegen. „Die Nadelholzsäger haben über die Jahre neue Produkte entwickelt, bei den Laubholzsägern wurde überwiegend nur die Einschnittstechnik verbessert. Es wäre Zeit für neue Produkte im Bereich des Laubholzholzes“, so Steffen Rathke vom Holzwerk B. Keck, Ehingen. 

Was sind die Erfolgsfaktoren für ein Produkt? Laut Dr. Aicher: "einzigartige Leistungen, einzigartige Schönheit oder ein einzigartiges Preis-Leistungsverhältnis. Bu-BSH kann sich da durchaus sehen lassen:" 
• Die mit Bu-BSH erreichbaren Festigkeitswerte liegen um bis zu 33% über denen von Fichten-Brettschichtholz (Fi-BSH). Man kann also im Vergleich mit deutlich schlankeren Querschnitten bauen. 
• Durch die höhere Rohdichte sind Produkte aus Bu-BSH in Wohn- und Aufenthaltsräumen (z.B. Säulen, Geländer etc.) im Vergleich zu Fi-BSH widerstandsfähiger und haltbarer. 
• Bu-BSH sieht, insbesondere wenn rotkerniges Holz verwendet wird, richtig gut aus und eignet sich ausgezeichnet für den Einsatz im dekorativen Bereich. 

Die Einsatzmöglichkeiten im Bau sind in Deutschland bisher – anders als z.B. in der Schweiz – auf die sogenannte Nutzungsklasse 1 beschränkt, d.h. auf beheizbare Innenräume. Auch dürfen die Produkte aus reinem Bu-BSH „nur“ eine maximale Breite von 150 mm und eine maximale Höhe von 600 mm haben (Hybridträger dürfen bis 900 mm hoch sein). Diese Einschränkungen sollten aber kein ernsthafter Hinderungsgrund sein. Bleibt noch die Herstellung: Grundsätzlich können Anlagen, die zur Herstellung von Fi-BSH verwendet werden, auch zur Herstellung von Bu-BSH eingesetzt werden. Es sind aber längere offene Trockenzeiten und höhere Pressdrücke bei der Leimung erforderlich. Zudem ist nicht jeder Leim geeignet. Das macht das Produkt im Vergleich zu Fi-BSH teurer und im Moment noch unwirtschaftlich. 

Seit 2009 hat Bu-BSH eine bauaufsichtliche Zulassung, trotzdem ist es wenigen bekannt. Die Teilnehmer des Workshops kamen zu dem Schluss, sich im Rahmen der Clusterinitiative weiter mit Buchen-Brettschichtholz zu beschäftigen. Um das Produkt bekannter zu machen, wurde angeregt z.B. einen Architektenwettbewerb auszuschreiben oder den Bau von Musterbauten als „Leuchtturmprojekte“ aus Clustermitteln zu unterstützen. Wenn in Fachzeitschriften und auf Messen ansprechende Beispiele und realisierte Objekte zu sehen sind, ist dies für künftige Bauherren das überzeugendste Argument.

Dr. Jan Duvenhorst
Landratsamt Alb-Donau-Kreis









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