Clustermanagement

Als Clustermanagerin Forst & Holz Baden-Württemberg ist für Sie aktiv:

Sylvie Wiest
proHolzBW
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wiest(at)proholzbw.de

Interview mit dem ehemaligen Clustermanager Uwe André Kohler
zu den Erfahrungen aus 5 Jahren Cluster Forst & Holz Baden-Württemberg

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„Forst und Holz brauchen Netzwerke, um gehört zu werden!“


[01.10.2015] Herr Kohler, Sie haben von 2010 bis 2015 das Clustermanagement Forst und Holz Baden-Württemberg betreut. Wie bewerten Sie Ihre erreichten Ziele in der Clusterinitiative?

Die Clusterinitiative hat sich etabliert und ist weitgehend anerkannt. Zu Beginn meiner Tätigkeit war es wichtig, so schnell wie möglich bei den für den Clusterprozess wichtigen Akteuren Vertrauen aufzubauen. Eine stark nach innen gerichtete Aufgabe, die aber die Grundlage für alle weiteren Aktivitäten darstellte. Und eine Aufgabe, die natürlich auch weiterhin zu erfüllen sein wird.

Auf der anderen Seite war und ist es elementar, die für unsere Branchen wichtigen Zielgruppen mit den richtigen Themen anzusprechen. Nehmen wir z.B. den gewerblichen und industriellen Holzbau: Dort stehen Multiplikatoren wie Architekten, Bauingenieure, Planer, kommunale Entscheidungsträger und Medienvertreter der Tages- und Fachpresse im Fokus. Da müssen wir präsent sein, um auch im Vergleich mit konkurrierenden Baustoffen wie Stein, Beton oder Stahl die Verwendung des Holzes zu fördern. Wir liegen zwar in Baden-Württemberg mit einer Holzbauquote von 26 % in Deutschland an der Spitze, aber unser Potential ist größer und auch im internationalen Vergleich ist die Quote ausbaufähig. Wir streben eine Quote von 30% an.


Die Clusterstudie als Grundlage Ihrer Arbeit nennt Handlungsempfehlungen und Maßnahmen der Umsetzung für die 13 Teilbranchen des Clusters von der Forstwirtschaft über die Möbelindustrie bis zur Papierherstellung. Kann die Clusterinitiative diese „Mammutaufgabe“ leisten?

Eine gute Frage: Sie kann es – aber nur, wenn sie Prioritäten setzt. Es war und ist klar, dass die Clusterinitiative nicht gleichrangiges Sprachrohr für 13 Teilbranchen mit teilweise sehr unterschiedlichen Zielen sein kann. Die Clusterstudie liefert strukturiert grundlegende Informationen über alle Branchen, die uns helfen, die inhaltlichen Schwerpunkte der Clusterinitiative festzulegen.

Hilfreich ist bei diesem Prozess z.B. die Mitarbeit im Landesbeirat Holz Baden-Württemberg und im Clusterbeirat. In diesen Gremien sitzen Entscheidungsträger des Clusters Forst und Holz, die Ausgangslage, aktuellen Themen und Chancen ihrer Branchen praxisorientiert kennen und damit entscheidend sind für die Weichenstellung der Clusterinitiative.


Was waren die bisherigen sogenannten „Meilensteine“?

Aktuellster Meilenstein ist natürlich die Gründung der proHolzBW durch die Gesellschafter Forstkammer BW, die beiden Verbände Holzbau BW und Holzbau Baden sowie der Deutschen Säge-und Holzindustrie DeSH. Dadurch haben wir die Chance, die Aktivitäten des Clusters in Baden-Württemberg künftig unter einem Dach zu bündeln. Zusammen mit dem Landesbetrieb ForstBW als Kooperationspartner wird dies die Schlagkraft aller Akteure erhöhen. Die zentrale Aufgabe der proHolzBW: Unter einem ganzheitlichen Ansatz wird sie Informations-, Aufklärungs- und Beratungsarbeit leisten, um so die Nachfrage nach dem einzigartigen Bau- und Werkstoff Holz weiter zu stärken und auszubauen. 

Die Meilensteine bei den Veranstaltungen: Beim „Cluster innovativ“ haben wir ein Veranstaltungsformat etabliert, bei dem wir in leistungsfähigen Unternehmen zu Gast sind und damit regionale Multiplikatoren ansprechen. Landesweite Ausstrahlung hat das „ClusterPlus.Forum“, ein weiteres Format, das zweimal im Jahr stattfindet und zentrale Leitthemen der Teilbranchen aufgreift.

Darüber hinaus haben wir in zahlreichen Kooperationsveranstaltungen aktuelle Themen aufgegriffen, im ersten Halbjahr 2015 bspw. beim Brückenbau-Symposium gemeinsam mit Schaffitzel + Miebach Faszination Brücken GmbH oder bei der “Sprechstunde ;Leichtbau” erstmals zusammen mit der Landesagentur Leichtbau BW. Bei diesem Termin standen innovative Holzwerkstoffe im Mittelpunkt.

Als landesweite Initiative ist es wichtig, die Unternehmen vor Ort zu erreichen. Aus diesem Grund hat die Förderung von regionalen Clustern einen hohen Stellenwert. Mit den Clustern Möbel und Holz Nordschwarzwald (Pforzheim),  Allgäu-Oberschwaben (Ravensburg), proHolz Schwarzwald (Freiburg) und BodenseeHolz (Konstanz) wurden bis 2015 neue Netzwerke aufgebaut und von der Clusterinitiative inhaltlich begleitet und finanziell gefördert.

Mit Hilfe der Richtlinie Forst und Holz, dem Förderprogramm des Ministeriums für Ländlichen Raum und der EU, wurden in Zusammenarbeit mit dem Clusterbeirat über 50 Projekte ins Leben gerufen. Ein Schwerpunkt hier: Innovative Themen aus Forschung und Entwicklung sowie die Erstellung von Studien zu aktuellen Fragestellungen in den Teilbranchen.

In der Projektarbeit möchte ich stellvertretend ein Thema nennen: Die Novellierung der Landesbauordnung Baden-Württemberg, die seit 1. März 2015 in Kraft ist. Der damit verbundene Abbau von holzhemmenden Vorschriften ist maßgeblich auf ein von Landesbeirat Holz e.V. und Clusterinitiative initiiertes Projekt zurückzuführen, dass uns vom Start 2012 bis hin zur erfolgreichen Umsetzung rund drei Jahre beschäftigt hat. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Novellierung gilt als Meilenstein für den mehrgeschossigen Wohnungsbau mit Holz und bestätigt die baden-württembergische Vorreiterrolle als Holzbauland Nr. 1 in Deutschland.


Ein Cluster kann nur erfolgreich sein, wenn es engagierte und ambitionierte Mitglieder hat - wie sind die Unternehmen in die Arbeit der Clusterinitiative 
und der proHolzBW eingebunden?

Der idealtypische Clusterprozess sieht – verkürzt dargestellt – so aus: Unternehmer und Unternehmerinnen aus mehreren Teilbranchen kommen zusammen, diskutieren, nennen Themen, bringen unterschiedliche Motivationen auf einen Nenner, einigen sich auf Maßnahmen- und Zeitplan, die Clusterinitiative und proHolzBW initiieren, moderieren und koordinieren.

Aber in der Praxis läuft es natürlich nicht immer idealtypisch: Es gibt auch Situationen, in denen schnell reagiert werden muss, ohne dafür die breite Basis befragt zu haben. Die Mischung macht's – auch in den Branchen Forst und Holz geht es mitunter zu wie im richtigen Leben.


Ein Blick in die Zukunft – wo sehen Sie das das Cluster im Jahr 2020?

Das Cluster erwirtschaftet im Land 31 Milliarden Euro Umsatz, beschäftigt 175.000 Mitarbeiter in rund 28.000 Betrieben und Unternehmen – die Zahlen von heute geben mir die begründete Hoffnung, dass Forst und Holz den Stellenwert haben wird, den diese gesamtwirtschaftlichen Zahlen vermuten lassen. Die Clusterinitiative und die proHolzBW sind auf diesem Weg, neben anderen Einrichtungen und Organisationen, wesentliche Mosaiksteine und Impulsgeber – die kleinteilig strukturierte Forst- und Holzwirtschaft braucht mehr denn je Bündelung und Netzwerke, um gehört zu werden!

Herr Kohler, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Die Redaktion

 

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